Auf einen Blick:
Technische Daten und Ablauf

Kammer-System:
Zwei-Kammer-Anlage mit Vorkammer (-60 °C) und Hauptkammer (-110 °C)

Expositionsdauer:
ca. 30 Sekunden in der Vorkammer
bis zu 3 Minuten in der Hauptkammer

Medizinische Begleitung:
Durchführung unter kontinuierlicher Aufsicht durch geschultes Fachpersonal

Anwendungsfrequenz:
Häufig als Serientherapie (mehrere Sitzungen) empfohlen

Standort:
Bentheimer Mineraltherme

Indikationen: Für wen ist die Kältetherapie geeignet?

Die Ganzkörperkältetherapie wird seit vielen Jahren in der klinischen Praxis eingesetzt und ist Bestandteil multimodaler Therapiekonzepte.

 

Hauptindikationen

Die Methode kann bei rheumatoider Arthritis und Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Sie wird als ergänzende Maßnahme in der rheumatologischen Behandlung eingesetzt.

Bei Fibromyalgie-Syndrom kann die Kältetherapie zur Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit beitragen.

Auch bei chronischen Rücken- und Wirbelsäulenbeschwerden sowie anderen chronischen Schmerzerkrankungen findet die Ganzkörperkältetherapie Anwendung.

Bei Psoriasis vulgaris und chronischem Juckreiz kann die Ganzkörperkältetherapie begleitend angewendet werden.

Im Leistungssport wird die Methode zur Beschleunigung der Regeneration nach intensiven Trainingsbelastungen genutzt.

Individuelle Eignungsprüfung:

Ob die Ganzkörperkältetherapie für Sie medizinisch sinnvoll und sicher ist, hängt von Ihrer individuellen Anamnese und aktuellen gesundheitlichen Situation ab.

Vor der ersten Anwendung klären wir gemeinsam mit Ihnen Ihre Eignung.

Wie wird die Anwendung empfunden?

Viele Patientinnen und Patienten sind vor der ersten Anwendung verständlicherweise unsicher. Temperaturen von -110 °C klingen zunächst extrem. Tatsächlich wird die Kältekammer jedoch als überraschend gut verträglich beschrieben.

Warum fühlt sich die Kälte anders an als erwartet?

Die extrem trockene Luft in der Kammer unterscheidet sich grundlegend von winterlicher Kälte. Es fehlt die Feuchtigkeit, die Kälte sonst als besonders unangenehm empfinden lässt.

Die meisten Anwenderinnen und Anwender berichten von einem belebenden, aktivierenden Gefühl – nicht von Unbehagen oder Bedrohung.

Sie behalten die Kontrolle:

Sie werden während der gesamten Anwendung begleitet und können die Kammer jederzeit selbstständig verlassen.

Kontraindikationen: Wann ist die Anwendung nicht geeignet?

Die Ganzkörperkältetherapie ist bei korrekter Indikationsstellung und Durchführung in der Regel gut verträglich. In bestimmten Fällen besteht jedoch ein erhöhtes Risiko.

Bei folgenden Punkten raten wir von der Therapie ab.

  • ausgeprägte Kälteüberempfindlichkeit (Kälteallergie, Kälteurtikaria)
  • akute Gefäßentzündungen (Vaskulitiden)
  • Kollagenosen in der akuten Phase
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Durchblutungsstörungen an Händen, Fingern, Beinen oder Füßen (z. B. Raynaud-Syndrom)
  • Herzinfarkt innerhalb der letzten 6 Monate
  • größere operative Eingriffe innerhalb der letzten 6 Monate
  • Herzschrittmacher oder implantierter Defibrillator (ICD)
  • instabile Angina pectoris
  • schwere Herzrhythmusstörungen
  • akute Nieren- oder Harnwegsinfekte
  • akute Blasenentzündung
  • Diabetes mellitus mit unzureichender Stoffwechseleinstellung
  • unbehandelter oder nicht ausreichend eingestellte Hypertonie (systolisch >160 mmHg oder diastolisch >100 mmHg)
  • Schwangerschaft
  • akute fieberhafte Infekte
  • Tumorerkrankungen in der akuten Behandlungsphase (Rücksprache erforderlich)

Sie sind unsicher?

Wenn Sie unsicher sind, ob eine der genannten Kontraindikationen bei Ihnen vorliegt, sprechen Sie uns bitte an. Wir beraten Sie gern und klären gemeinsam mit Ihnen die medizinische Eignung.

Ablauf einer Anwendung

So läuft eine Sitzung in der Ganzkörperkältekammer ab:

  1. Medizinischer Eignungscheck (nur beim Ersttermin)
    Vor Ihrer ersten Anwendung erfolgt eine kurze medizinische Anamnese. Wir klären gemeinsam, ob Kontraindikationen vorliegen und beantworten Ihre Fragen.

  2. Vorbereitung & Schutzkleidung
    Sie ziehen Badebekleidung an und legen die erforderliche Schutzkleidung an: Handschuhe, Socken, geschlossene Schuhe, Kopfbedeckung und Mundschutz. Diese schützen besonders kälteempfindliche Körperregionen (Extremitäten, Atemwege) vor Erfrierungen.

  3. Vorkammer (-60 °C)
    Sie betreten zunächst die Vorkammer und verbringen dort etwa 30 Sekunden bei -60 °C. Dies dient der physiologischen Anpassung des Körpers an die extreme Kälte.

  4. Hauptkammer (-110 °C)
    Anschließend betreten Sie die Hauptkammer und verbleiben dort bis zu 3 Minuten bei -110 °C. Die genaue Verweildauer wird individuell angepasst.

  5. Nach der Anwendung
    Nach Verlassen der Kältekammer können Sie Ihren Tag wie gewohnt fortsetzen. Es sind keine besonderen Nachruhezeiten erforderlich.

Kontinuierliche Betreuung:

Während der gesamten Anwendung werden Sie durch geschultes Personal überwacht. Sie können die Kammer jederzeit selbstständig verlassen.

Vorbereitung: Das sollten Sie beachten

Bitte beachten Sie vor Ihrem Termin folgende Hinweise:

Haut & Haare:

  • Tragen Sie keine Cremes, Lotionen oder Öle auf der Haut auf.
  • Haut und Haare müssen vollständig trocken sein.
  • Feuchtigkeit kann zu lokalen Erfrierungen führen.

Schmuck & Metallgegenstände:

  • Entfernen Sie Schmuck, Uhren, Piercings, Hörgeräte.
  • Legen Sie Brillen und Kontaktlinsen ab.
  • Metall leitet Kälte und kann Hautschäden verursachen.

Kleidung & Schutzausstattung:

Bitte tragen Sie:

  • Badebekleidung (Badehose/Badeanzug)
  • Handschuhe (werden bei Bedarf gestellt)
  • (Baumwoll-) Socken
  • geschlossene Schuhe (werden gestellt)
  • Kopfbedeckung (z. B. Stirnband, Mütze werden bei Bedarf gestellt)
  • Mundschutz (wird gestellt)

Wichtiger Sicherheitshinweis:

Durch die extrem niedrigen Temperaturen können Materialien spröde werden und brechen. Achten Sie darauf, dass keine Metallteile direkt auf der Haut aufliegen.

Zusatzinformationen

Bald auch für externe Gäste buchbar

Die Ganzkörperkältetherapie steht nicht nur Patientinnen und Patienten der Fachklinik Bad Bentheim offen, sondern kann bald auch von externen Gästen genutzt werden. Die Anwendung erfolgt als Selbstzahlerleistung.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die Ganzkörperkältetherapie ist in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Serienanwendungen: Häufigkeit und Dauer

Für einen therapeutischen Effekt wird die Ganzkörperkältetherapie üblicherweise als Serie durchgeführt. Typische Behandlungsprotokolle umfassen:

  • 10–20 Einzelsitzungen
  • 3–5 Anwendungen pro Woche
  • Gesamtdauer: 2–4 Wochen

Die genaue Anwendungsfrequenz wird individuell auf Ihre Erkrankung und Therapieziele abgestimmt.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Ganzkörperkältetherapie nutzt die physiologischen Reaktionen des Körpers auf extreme Kälte:

  • Entzündungshemmung: Durch die Kälteexposition können entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) reduziert werden.
  • Schmerzlinderung: Die Kälte kann die Nervenleitgeschwindigkeit verlangsamen und die Freisetzung körpereigener schmerzlindernder Substanzen (Endorphine) fördern.
  • Muskelrelaxation: Die Reduktion der Muskelspannung kann zur Schmerzlinderung bei muskuloskelettalen Beschwerden beitragen

Die klinische Evidenz für die Wirksamkeit der Ganzkörperkältetherapie ist bei verschiedenen Indikationen unterschiedlich ausgeprägt. Sie wird in der Regel als ergänzende Maßnahme im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts eingesetzt.

Kontakt und Beratung

Persönliche Beratung

Sie haben Fragen zur Ganzkörperkältetherapie oder möchten wissen, ob die Anwendung für Sie geeignet ist?

Unser Ärzte- und Therapieteam berät Sie gern: